Liebe Cornelia, Ostern, eine kurze Zeit, um innezuhalten. Was bedeutet Familie für dich, gerade in einem oft fordernden politischen Alltag?
Ostern ist für mich eine Zeit des Aufblühens, draußen in der Natur und auch im Miteinander. Ich liebe den Frühling, wenn alles wieder lebendig wird. Besonders schön ist es, wenn meine Töchter, die in Wien leben, nach Hause kommen und wir als Familie zusammenfinden. Diese gemeinsamen Momente geben mir Kraft und erden mich im oft fordernden politischen Alltag.
Politik ist kein Selbstläufer. Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, diesen Weg einzuschlagen und was treibt dich bis heute an?
Ich bin in einer Familie groß geworden, in der Politik immer präsent war – Diskussionen am Tisch haben für mich schon früh dazugehört. Den entscheidenden Schritt allerdings habe ich dann als junge Mutter gemacht: Ich wollte für meine zwei Töchter und für unsere Gemeinde ganz konkret etwas bewegen. Also habe ich mich für den Gemeinderat beworben.
Was mich bis heute antreibt, ist genau dieses Gefühl, gestalten zu können – für die Menschen, für mehr Gerechtigkeit und dafür, dass sich Lebensrealitäten wirklich verbessern.
Hand aufs Herz: Gab es Momente, in denen du alles hinschmeißen wolltest? Und was hat dich letztlich davon abgehalten?
„Ja, die gab es – ganz ehrlich. Politik ist nicht immer ein Schönwetterprogramm. Auch ich hatte Momente, in denen ich dachte, ich schaffe das nicht mehr.
Aber Aufgeben ist für mich keine Option. Dafür gibt es noch zu viele Themen, die Frauen tagtäglich betreffen und oft übersehen werden. Was mich hält, sind die Menschen an meiner Seite und der Anspruch, genau hier etwas zu verändern. Dieser innere Antrieb ist stärker als jeder Zweifel.
Am 30. April findet der Landestag der Frauen in der OÖVP statt. Solche Tage stehen im Zeichen des Aufbruchs. Wo siehst du aktuell die wichtigsten Schwerpunkte für Frauen in der OÖVP?
Für mich geht es ganz klar um drei Dinge: SICHER, SICHTBAR, SELBSTBESTIMMT.
Frauen sollen ihr Leben ohne Angst und mit echter Absicherung gestalten können. Sie müssen dort sichtbar sein, wo Entscheidungen getroffen werden und nicht nur mitgemeint, sondern mitentscheiden. Und sie sollen ihr Leben selbstbestimmt führen können, mit fairen Chancen und echter Wahlfreiheit.
Der Landestag ist für mich deshalb mehr als ein Termin – er ist ein klares Signal: Wir nehmen diese Themen ernst und treiben sie mit Nachdruck voran. Für mich persönlich ist klar: Genau dafür stehe ich und genau dafür setze ich mich jeden Tag ein.
Eine Botschaft der Frauen in der OÖVP ist, Frauen zu ermutigen ihre Stimme zu erheben. Jetzt! Warum ist das gerade jetzt so entscheidend und welche Rolle spielen starke Netzwerke dabei?
Gerade jetzt ist es entscheidend, dass Frauen ihre Stimme erheben, weil Gleichberechtigung kein Selbstläufer ist. Es reicht nicht, gehört zu werden, wir müssen mitgestalten und mitentscheiden. Starke Netzwerke sind dabei kein „Nice to have“, sondern entscheidend. Sie geben Rückhalt, machen sichtbar und ermutigen, den eigenen Standpunkt klar zu vertreten.
Mein Zugang ist klar: Wenn Frauen sich gegenseitig stärken, werden sie auch politisch stärker und genau das brauchen wir jetzt mehr denn je.
Als Bewusstseinsbildnerin setzt du dich dafür ein, alte Rollenbilder aufzubrechen und Frauen und Männer auf die strukturellen Hürden aufmerksam zu machen. Wo siehst du aktuell die größten Chancen und wo beginnt echte Veränderung?
Die größten Chancen sehe ich dort, wo wir beginnen, Rollenbilder bewusst zu hinterfragen – in der Arbeitswelt, in der Familie und in der Politik. Immer mehr Menschen erkennen, dass es nicht um „Frauenthemen“ geht, sondern um faire Rahmenbedingungen für alle. Echte Veränderung beginnt für mich genau dort: im Bewusstsein und im Alltag. Wenn wir Aufgaben gerechter aufteilen, wenn Frauen selbstverständlich Verantwortung übernehmen und wenn Strukturen so gestaltet sind, dass sie zu unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht werden.
Und ganz ehrlich: Veränderung passiert nicht von selbst, WIR müssen sie einfordern und aktiv gestalten.
Frauen als Gestalterinnen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, das ist dir ein großes Anliegen. Was wünschst du dir für die Zukunft der Frauen in der OÖVP?
Ich wünsche mir, dass es selbstverständlich wird, dass Frauen und Männer in allen Gremien gleichermaßen vertreten sind – nicht als Ziel, sondern als gelebte Realität.
Genauso wichtig ist mir, dass Themen wie Kinderbetreuung nicht länger als „Frauenthema“ gesehen werden. Es ist ein gemeinsames Familienthema, das uns alle betrifft.
Und echte Veränderung beginnt oft im Kleinen: Wenn wir uns auch in Partnerschaften bewusst machen, wie viele Aufgaben im Alltag zu stemmen sind, sowie Verantwortung fair aufteilen, dann wird auch der Mental Load gerechter verteilt und das schafft die Basis für echte Gleichberechtigung.
Gleichberechtigung beginnt nicht in der Politik – sie beginnt im Alltag.
Wenn du den Oberösterreicherinnen zu Ostern eine Botschaft ins Nest legen könntest, was würde darinstehen?
Zu Ostern würde ich den Frauen in Oberösterreich Mut und Zuversicht ins Nest legen. Und die klare Botschaft: Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst und geh den ersten Schritt.
