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Frauen in der OÖVP-Jugendreferentin NR Johanna Jachs: Noch mehr Frauen in die Politik

|   Presse

Jachs: „Für meine Tochter darf es diese Frage nicht mehr geben“


Gerade in Zeiten wie diesen sieht man, dass Politik alle Lebensbereiche beeinflusst. Daher sollten auch die politischen Vertretungen die Bevölkerung so gut wie möglich widerspiegeln. Dies ist zwar in vielen Bereichen schon der Fall, in Bezug auf die Geschlechterverteilung sind wir in Österreich davon aber noch weit entfernt. Dies liegt jedoch nicht daran, dass die Männer nicht Platz machen wollen, sondern vor allem auch daran, dass sich wenige Frauen politisch engagieren wollen. Die Gründe dafür sind vielschichtig, wie Johanna Jachs, seit 2017 Nationalratsabgeordnete der ÖVP, zu berichten weiß.

„Immer noch sind Frauen – insbesondere junge - in der Politik deutlich in der Unterzahl. Wenn ich mit jungen Frauen über ein mögliches Engagement in der Politik spreche, kommt oft die Gegenfrage, warum sie sich das Antun sollten.“ so Jachs.

Neben einem generellen Imageproblem der Politik liegt das im Wesentlichen auch an den Rahmenbedingungen, die vor allem für junge Frauen nicht optimal sind. „Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass die Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und politischen Funktionen nach wie vor mangelhaft sind“ so Jachs.
„Man sollte meinen, dass gerade die Politik, die die Rahmenbedingungen für die für Arbeitnehmer so selbstverständlichen Dinge wie Mutterschutz und Karenzregeln schafft, hier Vorreiter sein sollte. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Für die meisten politischen Ämter gibt es keinerlei Regelungen, wie in solchen Fällen vorgegangen werden muss“.

Tatsächlich gibt es auch für Abgeordnete zum Nationalrat keine solchen Regelungen. „Dies liegt allerdings weniger am mangelnden Willen oder Problembewusstsein, als vielmehr an der Tatsache, dass es natürlich aus demokratiepolitischer Sicht nicht ganz einfach ist, hier Vertretungsregelungen zu treffen“, so Jachs.
Mit dem zunehmenden Anteil junger Frauen in der Politik steigt aber natürlich auch in diesem Bereich der Druck und das Problembewusstsein. „Ich war weder die erste noch die letzte Abgeordnete die sich mit dieser Problemstellung konfrontiert sah – und je mehr junge Frauen in der Politik ihre Bestimmung suchen und finden, desto drängender wird die Frage nach tragfähigen Lösungen.“ ist Jachs überzeugt.
Egal ob Ministerin, Abgeordnete zum Nationalrat, Bundesrätin, Abgeordnete zum Landtag, Bürgermeisterin oder auch Gemeinderätin – das Thema ist überall präsent. Jachs, für die das Thema eine Herzensangelegenheit ist, da sie selbst seit dem Jahr 2019 Mutter ist, setzt sich daher aktiv für einen Politikerinnenmutterschutz auf allen Ebenen sein. „Seit ich selbst mit der Thematik konfrontiert bin, bin ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und meinem Team auf der Suche nach Lösungen für dieses Themenfeld.“ berichtet die Freistädter Abgeordnete.

„Durch das gesteigerte Problembewusstsein im gesamten politischen Bereich, bin ich zuversichtlich, dass es hier in naher Zukunft zu tragfähigen Lösungen auf allen Ebenen kommen wird“ so Jachs. „Ich möchte vor allem im Hinblick auf die Landtags- Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2021 in meinem Heimatbundesland Oberösterreich verstärkt Frauen dazu motivieren, sich für politische Ämter zu bewerben und ihre Expertise einzubringen.“ so Jachs.
„Ich möchte, dass sich junge Frauen nicht für Politik oder Familie entscheiden müssen – es muss ein UND sein.“, so Jachs mit dem Blick auch auf viele politische Prozesse, die vor allem auch junge Familien betreffen. „Für meine Tochter darf es die Frage nach dem Entweder oder einmal nicht mehr geben.“ zeigt Jachs sich entschlossen.
 

Mehr Josef als Frauen im Bürgermeisteramt


„Immer noch sind Frauen in politischen Ämtern eher die Ausnahme als die Regel, der plakative Spruch es gäbe in Österreich mehr Bürgermeister namens Josef oder Johann als Frauen im Bürgermeisteramt, war leider bis vor kurzem traurige Realität und zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf hier ist. Dass es mittlerweile weniger Josefs als Frauen sind, liegt allerdings weniger daran, dass nun so viele Frauen mehr ein Bürgermeisteramt bekleiden, sondern damit, dass viele „Josefs“ das Amt abgegeben haben, und Josef nicht mehr ein so häufiger Vorname ist. Es geht mir ausdrücklich nicht um Quotenfrauen – doch ich denke, dass viele Frauen eine Bereicherung für die Politik wären, jedoch oftmals davor zurückschrecken den Schritt zu wagen“ ist Jachs überzeugt.

Österreich liegt hier übrigens hinter diversen EU Staaten zurück, der Blick in die Nachbarländer überrascht mitunter. In Nachbarländern wie Tschechien und der Slowakei ist bereits jeder vierte Bürgermeisterposten weiblich besetzt, in Ungarn und in Liechtenstein ist es jeder fünfte, in Slowenien Kroatien und – wenn man den Blick etwas weiter schweifen lässt – auch in Polen ist es zumindest jeder zehnte.
 

Lage in Nachbarländern


„Mit einem Bürgermeisterinnenanteil von gerundet 8,3% liegt Österreich im gesamteuropäischen Vergleich damit im letzten Viertel. 201 Städte gibt es in Österreich, in 188 davon „regieren“ Männer, nur 22 Bürgermeisterinnen haben das Zepter in der Hand. Je kleiner eine Stadt, desto eher ist ein Mann Bürgermeister – insbesondere bei Marktgemeinden und einfachen Gemeinden. Und damit liegen wir sogar hinter Ländern wie Bulgarien, der Republik Moldau, hinter Montenegro und in etwa auf dem Niveau von Nordmazedonien. Die Türkei und Georgien liegen zwar hinter Österreich, dennoch ist dies kein Ruhmesblatt. Auch im Bereich Gemeinderäte und gewählte Gemeindevertretungen sieht es leider nicht besser aus. In ganz Europa liegt der Frauenanteil hier bei knapp 29%, in Österreich hingegen nur bei 23%. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es großen Handlungsbedarf gibt – ich selbst kann wie gesagt nur jeder politisch interessierten Frau raten, sich zu engagieren, einzubringen und zu kandidieren, denn zukunftsfähige Politik gibt es nur, wenn auch Frauen aktiv mitgestalten“ schließt Jachs ihre Ausführungen.

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Fotoquelle: Parlamentsdirektion/Photo Simonis